Editorial: 1 / 2017 Konsum

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in Zeiten, die nicht von materiellem Mangel gesprägt sind, stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Ob, sondern die Frage nach dem Was, Wieviel und Wovon bei jedem Einkauf. Oder zumindest könnte sie sich stellen. Dieses Heft beschäftigt sich mit dem »Trendthema« Konsum, an dem sich Identitäten und Lifestyles festmachen lassen. Und wenn die Haltung zum Konsum ein Lifestyle-Aspekt ist, betrifft sie unmittelbar auch Fragen der Identität und zielt mitten ins Zentrum jugend licher Selbstvergewisserung.

Für eine erste Orientierung lassen sich die unterschiedlichen Facetten des Konsums den drei W-Fragen zuordnen. Das Wieviel fragt nach der Quantität. Es stellt nicht infrage, dass wir etwas brauchen (Nahrung, Energie, Kleidung), sondern stellt die Menge zur Diskussion. Der konsumkritische Impuls richtet sich gegen Überfluss und Maßlosigkeit (der überquellende Kühl- oder Kleiderschrank).

Das Was setzt grundsätzlicher an, zielt nicht auf Einschränkung, sondern auf Verzicht mit Fragen wie: Brauche ich das überhaupt? Muss ich das besitzen, oder könnte ich es auch leihen? Das letzte der drei Ws schaut bei der Wahl der Waren genauer hin (und hier vor allem kommt der Lifestyle-Aspekt ins Spiel). Die unterscheiden sich nämlich unter anderem im Hinblick auf die Art und Weise ihrer Produktion (etwa fairtrade gehandelt und bio produziert oder konventionell; regional oder importiert) und ihres Sozialstatus' (neues Markenshirt oder Second-hand-Pulli). So konsumieren die Menschen mit den Waren auch Werte: Umweltschutz, Tierrechte, gerechter Lohn und anständige Arbeitsbedingungen. So ergibt sich ein komplexes Zusammenspiel: Tut man Gutes mit dem Kauf eines Produkts, kauft es sich leichter; und leicht kauft man dann auch mehr davon, konsumiert mehr ­ und tut so mehr Gutes? Für den Unterricht bedeutet das: Das Thema Konsum ist nicht nur vielschichtig, sondern im Hinblick auf seine Implikationen auch brisant. Ich wünsche Ihnen lebhafte Diskussionen!

Karola Vos