Editorial: 3 / 2016 Medienethik

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Menschen leben in einer immer schon medial gefassten Welt. Versteht man Medialität - wie Matthias Rath das in seinem Schwerpunktartikel vorschlägt - als eine anthropologische Grundkategorie, wird die Unterscheidung zwischen einer medialen und einer realen, wirklichen Welt hinfällig. Medienethische Fragen entspringen also keiner neuen philosophischen Teildisziplin, gewinnen allerdings durch die technischen Entwicklungen, besonders im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung, eine neue Brisanz. Die Medienlandschaft hat sich radikal verändert, etwa weil die Grenzen zwischen den Produzenten und den Rezipienten von Nachrichten verwischen. Was vormals professionellen Journalisten vorbehalten war - einer größeren Öffentlichkeit von Geschehnissen zu berichten -, übernehmen heute mitunter »Bürgerjournalisten«, indem sie dokumentieren und über die sozialen Medien verbreiten, was in ihrer Umgebung vorgeht. Den Stellenwert und die Qualität von Nachrichten unterscheiden zu lernen ist also eine wichtige Fähigkeit, über die die medialen Nutzer verfügen sollten.

Ein anderes Beispiel für durch die Digitalisierung sich neu stellende medienethische Fragen ist die nach der Macht von Medienkonzernen, die den Zugang zu ihren Plattformen öffnen, aber auch verwehren können: Wer darf was schreiben, wer darf löschen und auf welcher (rechtlichen) Grundlage? Die Praxis bei Facebook, die Seiten ihrer Nutzer wegen vermeintlich problematischer Inhalte zu sperren oder gar zu löschen, ist eine Form der Zensur, die sich staatlicher Kontrolle entzieht. Aber Facebooks Produkt ist Öffentlichkeit: »Für Millionen Menschen«, so Johannes Boie in der SZ, »ist Facebook die primäre Nachrichtenquelle.« Nach welchen Maßgaben funktionieren diese neuen Öffentlichkeiten, wer kontrolliert sie?

Solche und andere Fragen greifen die Unterrichtsideen hier auf und machen Angebote für eine kritische Medienerziehung und somit die Erweiterung der Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Arbeit damit!

Karola Vos