Editorial: 1 / 2016 Diagnose und Differenzierung

 

Liebe Leserin lieber Leser,

diese Ausgabe zum Diagnostizieren und Differenzieren setzt die Reihe der Hefte mit didaktischem Fokus fort. Es ergänzt die Themenhefte zu Aufgaben stellen – Leistung messen (EU 1 / 2015), zu Lernaufgaben (EU 3 / 2013) und das inzwischen vergriffene Heft zum Thema Kompetenzorientiert unterrichten (EU 1 / 2010) um einen Aspekt, der den anderen bei der konkreten Unterrichtsplanung sachlogisch vorausgeht: den genauen Blick auf die Voraussetzungen, die die Schülerinnen und Schüler in den Unterricht mitbringen.

Alle genannten Ausgaben nehmen den Bereich der Unterrichtsentwicklung in den Blick, der quer zu den sachlichen Inhalten steht, und möchten Ihnen Impulse für die konkrete didaktisch-methodische Unterrichtsvorbereitung geben. Das geht natürlich nicht »freihändig«, sondern ist beispielhaft umgesetzt mit genuin ethisch-philosophischen Fragestellungen: So gibt es in diesem Heft Unterrichtsideen zur Frage der ethischen Legitimität von (Not-)Lügen, zu dem in der Pubertät so wichtigen Aspekt von Norm und Abweichung oder zu der Frage, ob nicht analog zu den Menschenrechten auch Menschenpflichten formuliert und verbindlich festgelegt werden sollten. Das Material Extra hat sich die Schulung der mündlichen Argumentationsfähigkeit zur Aufgabe gemacht – konkretisiert am Beispiel eines klassischen philosophischen Themas, aufbereitet für die Sekundarstufe II: der Frage nach der Willensfreiheit.

Mit den vergleichsweise umfangreichen Kolumnen tut sich darüber hi naus jedoch noch ein zweiter Schwerpunkt auf, der zwei momentan sehr virulente Themen in den Blick nimmt: Die Auszeit widmet sich einem Aspekt der Flüchtlingskrise, nämlich der Frage, ob das Recht auf Asyl über der staatlichen Souveränität steht. Mit dem Theaterstück Terror von Ferdinand von Schirach skizziert die Rubrik Ethik & Philosophie auf der Bühne ein hochbrisantes Szenario, das sich jederzeit angesichts terroristischer Bedrohungen ergeben kann: Dürfen wenige Menschenleben geopfert werden, um viele zu retten?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Arbeit damit!

Karola Vos